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Der Traum von der Napf-Bergbahn

27.04.2012 | von: Christian_Billau | Tags: Emmental News, Geschichte | 0

Eine Fahrt mit einer nostalgischen Eisenbahn durchs Emmental ist ein ganz besonderes Erlebnis. Im 19. Jahrhundert gab es tollkühne Pläne für den Bau vieler neuer Strecken.

Nostalgiefahrt durchs Emmental

Anlässlich der OGA (Oberemmentalische Gewerbeausstellung) liess ich mich vor einigen Jahren spontan zu einer Fahr mit der Dampflok von Langnau nach Trubschachen hinreissen. Und ich war restlos begeistert! Dieses Schnauben und Quietschen, der Geruch nach Kohle und Rauch, das gemächliche Tempo – alles passte. Und so blieb dieser Spontanausflug als besonderes Erlebnis in meinem Gedächtnis haften.

Neue Strecken erwerben
Seit 1997 schon betreiben Freunde der nostalgischen Bahnen im Emmental den Verein „Historische Eisenbahn Emmental“ und organisieren regelmässig und mit Erfolg Fahrten mit unterschiedlichen, alten Zugkompositionen. Der Verein gehört zusammen mit den Dampflokfreunden Langenthal sowie der Dampfbahn Bern der Genossenschaft „Museumsbahn Emmental“ an. Und diese will nun, wie der aktuellen Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch zu entnehmen ist, das Netz ausbauen und weitere Bahnstrecken erwerben.

Langnau-Eggiwil-Thun
Das neue Eisenbahnfieber im Emmental erinnert an die tollkühnen Pläne unserer Vorfahren, welche im 19. Jahrhundert offenbar am liebsten überall eine Bahn gebaut hätten. So gab es beispielsweise konkrete Ideen, um die Hohwacht bei Langnau zu durchbrechen und einen Zug zwischen Langnau und Thun – via Eggiwil – verkehren zu lassen. Offenbar planten die Pioniere aus dem Eggiwil sogar, die Emme zu stauen um später daraus auch Strom gewinnen zu können. Offenbar aber spaltete sich die Region bald einmal in zwei Lager und der Eisenbahn-Traum für Eggiwil wurde begraben.

Die Napf-Bergbahn

Abend auf dem Napf

Noch tollkühner hatte es der Basler Ingenieur Wilhelm Hetzel im Kopf: Er reichte 1891 ein Gesuch ein, um von Trubschachen hinauf auf den Napf eine Bergbahn zu bauen. Eisenbahnkenner Werner Neuhaus aus Belp zitiert in einem Text für den Alpenhorn Kalender dazu: „Linie geht von Trubschachen im Ilfisthal, Station der Bern–Luzern-Linie der Jura–Simplon-Bahn, das Tal des Trubbaches hinauf bis Trub, und weiter hinauf im Tal des Fankhausgrabens bis zur Mettlenalp und ersteigt von da die Pyramide des eigentlichen Napf bis zu dessen Gipfel, liegt also ganz im Gebiet des Kantons Bern, in den Gemeinden Trubschachen und Trub.“

Ermutigt seien die Gesuchsteller durch die Tatsache geworden, dass alle bisher erstellten Bergbahnen eine erfreuliche Nachfrage aufwiesen. Beim Napf komme aber als spezieller Vorteil hinzu, dass er als Aussichtspunkt und Luftkurort einen starken Anziehungspunkt darstelle, aber auch der Lokalverkehr nicht zu unterschätzen sei.
Gut zwei Monate später liess die bernische Regierung verlauten, die Konzession sei zu verweigern, denn „die projektirte Bahn entspreche keinem öffentlichen Verkehrsbedürfnis für die dortige Gegend.“

Übrigens: Das Projekt der Eggiwiler war so konkret, dass schon mal Bahnhofsgebäude gebaut wurden. Das Haus „Neuhof“ beispielsweise gehört dazu. Es weist an der Fassade ein Relief auf, das den Kopf einer Telegrafin darstellen soll.

Text: Verena Zürcher, Bilder: zvg/Lebenslust Emmental/Peter Aegerter
www.landverlag.ch



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