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Ramset – ein alter Emmentaler Brauch

19.12.2014 | von: Therese Sommer | Tags: Emmental News | 2

In der Altjahrswoche (und nur in der Altjahrswoche) wird in vielen Gasthöfen des Emmentals „geramset“.

Ramsen ist eine jahrhundertealte Tradition, ein Jass um Würste. Nicht die gejasste Punktzahl zählt sondern die gemachten Stiche. Die Regeln variieren von Dorf zu Dorf, aber um Würste geht es überall.

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Wurden die Ramser-Würste einst in den meisten Fällen von den Wirtschaften selbst hergestellt, werden sie heute in der Regel von regionalen Metzgereien produziert. Dabei handelt es sich um eine Art Berner Bauernwurst, die im Küchenrauch geräuchert wird. Diese werden dem Wirt abgekauft, in Jassrunden von 4 – 6 Spielern wird dann um die fein duftenden Würste geramset. Man kann sie frisch geniessen, d. h. im heissen Wasser ziehen lassen oder noch einige Wochen an einem kühlen, durchlüfteten Ort trocknen lassen und kalt aufschneiden.

Hier einige Bilder aus der Rauchküche, wo die Würste und übrigen Rauchwaren geräuchert werden – man kann den Geruch aus Feuer und Wurst förmlich riechen…

Die Jass-Regeln sind von Ort zu Ort verschieden – hier ein Auszug aus unserer Region:
Jeder Spieler erhält 5 Karten, je nach Anzahl Spieler gibt es einen „Blinden“ und einen „Stock“, Wer mit seinen Karten nicht zufrieden ist, kann „ i Bling“, d. h. er kann die fünf Karten des „Blinden“ gegen seine Karten eintauschen. Trumpf wird geschlagen. Derjenige Spieler, der das Spiel verteilt, kann mit einer beliebigen Karten den „Schläger“ tauschen. Die Reihenfolge der Karten ist ebenfalls anders als beim normalen Schieber. Höchste Karte ist der Trumpf-Buur, „Bälli (Egge/Karo sieben) der zweithöchste Trumpf, anschliessend die Asse usw. Dann gilt auch „Leih oder Trumpf“, wer noch von der Farbe, die ausgespielt wurde in den Händen hat, darf nicht stechen, er muss „Leih halten“ .

Wichtig ist, dass man die Regeln vor Spielbeginn festlegt. Ebenfalls die „Bussen“ müssen vorgängig festgelegt werden. So kostet z. B. ein Nuller („Gheier“ / kein Stich) 10 Rappen, wer die Wurst erhält, zahlt 50 Rappen in die Kasse. Mancherorts werden die Strafpunkte auch notiert und verrechnet. Weitere „Regelschikanen“ werden oft individuell eingebaut.
Gespielt wird bis 16 oder 21 Striche. Wer diese Anzahl Striche erreicht hat, bekommt die Wurst.

In welchen Wirtschaften während der Altjahrswoche geramset wird, entnehmen Sie am besten der Tagespresse. Die Wirtsleute geben Ihnen gerne Auskunft, wenn Sie es auch mal versuchen möchten.

Wir sehen uns beim Ramset…

 

Bild & Text: Therese Sommer, Emmental Tourismus



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Kommentare

Danke für den Blog
Soviel mir bekannt ist, wird auch in anderen Regionen im Kt. Bern
geramset.
So gesehen und miterlebt im Schwarzenburgerland.
Sonnige Grüsse aus dem Bündnerlandins ins Emmental
Ruedi


in Melchnau im Oberaargau wird auch geramset


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