Aschenbrödels Schlösser

Alle, Männer und Frauen, egal welchen Alters, schauen sich während der Adventszeit mindestens einmal „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ an. Heute war es auch bei mir wieder einmal so weit. Entgegen aller Gewohnheiten wurde sogar das Mittagessen vor den Fernseher verlegt –die tschechische Version des Aschenputtels schlägt einfach alles. Obwohl auch Disneys Cinderella ganz reizend und amüsant ist.
Ist es die fantastische, zeitlose Filmmusik, die sympathischen Protagonisten, die zauberhafte Landschaft, die üppigen Kostüme oder der feine Humor, der für den jahrzehntelangen Erfolg des Aschenbrödels sorgt? Ich weiss es nicht. Aber dieser Film scheint bei allen irgendwelche Sehnsüchte zu wecken.

Leider haben wir im Emmental kein Aschenbrödel und leider gibt es auch keine Emmentaler Filmversion des Märchens. Aber, und das lässt beim Spaziergang wenigstens einen Hauch der Aschenbrödelromantik zu, wir hier im Emmental haben jede Menge hübsche Schlösser.

Gerade gestern, als ich bei gutem Wind zum Schloss Trachselwald hinaufging, versuchte ich mir den Prinzen und sein Gefolge vors geistige Auge zu holen. Was fehlte war der Schnee. Der fehlt sowieso, jetzt, so kurz vor Weihnachten, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Nun denn, ansonsten könnte man sich dieses Schloss Trachselwald, das die Gefängniszelle des einstigen Bauernführers Niklaus Leuenberger beherbergt, durchaus als Filmkulisse zu einer neuen Aschenbrödelverfilmung vorstellen. Dann natürlich das zauberhafte Schloss Wyl (Schlosswil), zwischen Aare und Emmental auf einer Gletschermoräne gelegen, einladend mit Park und Allee. Oder das stattliche Schloss Burgdorf, das da auf seinem Felsen thront und die ganze Emmestadt zu beschützen scheint und unter anderem das mehr als sehenswerte Goldmuseum zu bieten hat. Märchenhafter Zauber versprüht im unteren Emmental das Wasserschloss zu Landshut bei Utzenstorf.

Auch Schloss Worb, knapp an der Emmentalgrenze gelegen, Schloss Hünigen oder Schloss Sumiswald zeugen von der einstigen Pracht früherer Herren im Emmental. Kommen etliche Burgruinen wie Brandis (Lützelflüh) oder Wartenstein (Lauperswil) hinzu. Könige hausten da keine, wohl auch keine Prinzen – aber gewiss der eine oder andere Edelmann, der wie unser Aschenbrödelprinz der Jagd frönte und sich ein geselliges Leben gönnte.

Übrigens: Die erwähnten Schlösser –oder zumindest die Parks – sind teilweise oder ganz zugänglich, und es lohnt sich, beim nächsten Streifzug durchs Emmental einen Blick hinter die alten Mauern zu werfen.

Text und Bilder. Verena Zürcher, Wikipedia
http://www.landverlag.ch/

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