Atemberaubende Aussicht und kulinarische Freuden

Der Nebel liegt schwer vor der Haustür. Für uns eine klare Aufforderung, in die Höhe zu schweifen, um Sonne zu tanken und nach den Festtagen in Schwung zu kommen. Doch nein, auf Bähnli und Schlangen am Drehkreuz haben wir heute so gar keine Lust. Die Wahl fällt auf die Wanderstrecke Lützelflüh – Biglen. Sie verspricht schöne Aussichtspunkte und vor allem auch einen kulinarischen Zwischenhalt namens Löchlibad.

Wir starten in Lützelflüh, dem Gotthelf-Dorf. Heute lassen wir den grossen Schriftsteller links liegen und folgen dem Wegweiser durchs Dorf nach Aspiegg – Hamegg mit Endziel Biglen. Die totale Wanderzeit liegt bei 3 ½ bis 4 Stunden und kann natürlich auch von Biglen nach Lützelflüh begangen werden. Die eigentliche Wanderung beginnt in einem Einfamilienhausquartier, das sich entlang einem kleinen Bach ausbreitet. Wunderschön sind die Eiszapfen und mit Eiskristallen bedeckten Blumen, Blätter und Äste! Es ist noch kühl, aber an der Sonne und mit der richtigen Kleidung durchaus angenehm. Schon bald verlassen wir den Bach und steigen in die Höhe, auf den Otzeberg (726 Meter über Meer). Vorbei an halb verschneiten Obstbäumen geniessen wir den Blick in die teils noch grünen, teils bereits leicht schneebedeckten Emmentaler Hügel. Nach rund 1 ½ Stunden erreichen wir die Aspiegg (918 Meter über Meer), wo man einen herrlichen Rundumblick geniessen kann. Im Süden thronen die Alpen, im Norden erstreckt sich der Jura. Zwei Sitzbänke und eine Linde, die Nachfolgerin der legendären Aspilinde, laden an wärmeren Tagen zu einem Picknick ein.

Wir betreten einen Tannenwald und ja, so langsam meldet sich der Hunger. Der Blick aufs Smartphone zeigt, dass das Restaurant Löchlibad nicht mehr weit weg sein kann. Nach circa 2 ½ Stunden erreichen wir unser Etappenziel. Das äusserlich unscheinbare Restaurant ist offenbar nicht nur unser Ziel. Vom Wanderweg und auch vom nahen Parkplatz her strömen die Leute an diesem schönen Wintertag hin zum ehemaligen «Bedli». Wir treten ein in die urchige Stube mit der niedrigen Decke und halten schon bald die Speisekarte in den Händen. Die kleine Karte bietet feine, währschafte Kost. Wir bestellen Kalbsgeschnetzeltes mit Rösti und Apfelschnitzen. Bestimmt wären aber auch das Schweinssteak oder das Pouletschnitzel mit Orangensauce eine gute Alternative gewesen. Der Hauptgang ist köstlich und auch das Dessert, ein hausgemachter Aprikosenkuchen, erfreut das Wanderer-Herz. Die voll besetzte Gaststube und das Gespräch mit den Tischnachbarn zeigen; hier gibt es viele «Wiederholungstäter».

Nach der verdienten Pause streben wir weiter in Richtung Biglen. Kurz nach dem Löchlibad erreichen wir die Hammegg (950 Meter über Meer). Auch von hier geniesst man einen herrlichen Blick auf die Alpen. Einige Zeit später blicken wir geradeaus auf das wunderschöne Alpenpanorama und hinunter auf das Nebelmeer, in welchem sich die Orte Arni und Biglen verstecken. Wir steigen ab, dem Nebel entgegen – und beschliessen, dass wir diesen Weg bestimmt nicht zum letzten Mal unter die Füsse genommen haben.

Text und Fotos: Christian Bärtschi

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