Bäumige Aussichten

Napf, Lüderen, Lushütte, Chuderhüsi, Lueg, Moosegg, Waldhäusern, Ferrenberg, Geisshalde: Die Liste schöner Aussichtspunkte im Emmental lässt sich beliebig verlängern.

Nicht auf jedem Hügel stehen alteingesessene Wirtshäuser wie auf obgenannten Höhen. Seit einigen Jahren schiessen aber die kleinen Bauern-und Besenbeizen wie Pilze aus dem Boden. Auf fast jedem Hügelchen, das auch nur annähernd eine gute Aussicht und ein erholsames Umfeld bietet, schaffen findige Bäuerinnen und Bauern kleine Kaffees oder Restaurants, fordern die Wanderer auf, sich zumindest am Selbstbedienungsstand ein Getränk, ein Stück Kuchen oder ein Eis zu kaufen.

Das ist nachvollziehbar, denn jeder Hügel im Emmental hat seinen Reiz, jeder Aussichtspunkt seine Berechtigung. Und manchmal ist der Wanderer oder Spaziergänger vielleicht froh, unterwegs etwas trinken oder essen zu können. Mittlerweile ist es also nicht nur so, dass auf jedem Emmentaler Hoger eine Linde steht. Nein, es steht auch ein kleiner Gastbetrieb. Früher übrigens hatte auch jeder dieser Hügel seine eigene Chilbi.

Nicht auf jedem Hügel dagegen steht ein Aussichtsturm. Da haben die Röthenbacher vor etlichen Jahren mit ihrem „Chuderhüsiturm“ Pionierarbeit geleistet: Er gehört mit seinen  42 Metern zu den höchsten begehbaren Holztürmen Europas. Erbaut wurde das Wunderwerk aus Weisstannenholz 1998. Nur drei Jahre später führte Fahrlässigkeit dazu, dass der Turm abbrannte und 2002 völlig neu aufgebaut werden musste. Das hat sich gelohnt.

Der Turm liegt mitten im Wald, einem lauschigen Zauberwald, der nur wenige Gehminuten vom Restaurant Chuderhüsi entfernt ist. Bei klarem Herbstwetter ist die Aussicht aus 42 Metern Höhe besonders atemberaubend. Das Gefühl, sich auf dem leicht schwankenden Turm aufzuhalten, wenn erste Böen von nahenden Gewittern über dem Emmental erzählen, ist abenteuerlich – und romantisch dazu! Aber auch ein paar auf-und absteigende Leute vermögen das Bauwerk leicht erzittern zu lassen. Auch im Winter lohnt es sich, die 195 Stufen hochzusteigen und den Blick übers winterliche Emmental zu geniessen. Nur wenige Fahrminuten vom Chuderhüsi entfernt findet sich das legendäre Würzbrunnen Kirchli, wo Gotthelfs Ueli und Vreneli geheiratet haben.

Übrigens: Weisstannen, jene Baumart also, welche das Holz für den Turm geliefert haben, sind ein wichtiger Bestandteil des im Emmental nahezu bis zur Perfektion gepflegten Plenterwaldes. Mehr dazu im nächsten Blog.

Text und Bilder: Verena Zürcher, Autorin und Verlegerin
www.landverlag.ch

Weitere Bilder vom Chuderhüsi:
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