Der Sandkünstler aus Kirchberg

Stephan Ruch aus Kirchberg hat eine besondere Leidenschaft: Er klebt eingefärbten Sand mit Leim auf Karton und kreiert farbenprächtige Bilder, die viel Ruhe ausstrahlen und zum Träumen einladen.

Sandkünstler Stephan Ruch
Der Sandkünstler Stephan Ruch mit einem noch im Entstehen befindlichen Werk.

Ursprünglich wollte Stephan Ruch während seiner Ausbildung zum Kindergartenlehrer mit seinen Kindern bloss Sandbilder herstellen – nach dem Vorbild der amerikanischen Ureinwohner. Doch bald schon war er davon fasziniert, aus herkömmlichem Vogelsand und Leim beeindruckende Sandbilder zu erschaffen. Seit 2007 feilte der 31-Jährige laufend an seinen Fähigkeiten und entwickelte eine eigene Technik und seinen persönlichen Stil. Woher stammen die Ideen für seine Werke? «Meine Inspiration kommt meistens aus der Natur. Deshalb ist es für mich wichtig, auf dem Land zu leben», erklärt Stephan Ruch. Manchmal zeigen seine farbenprächtigen Bilder Konkretes, zum Beispiel Blumen und Bäume, manchmal ist das Motiv abstrakt, doch eine Gemeinsamkeit weisen alle auf: sie strahlen Ruhe und Frieden aus. Durchaus bewusst übrigens; Ruch möchte dazu beitragen, dass Betrachterinnen und Betrachter Ruhe finden und Kraft tanken können. Ebenfalls ein zentrales Element ist das Spiel mit Licht und Schatten: «Es wird dadurch begünstigt, dass die mit Sand beklebten Stellen leicht hervortreten und einen 3D-Effekt hervorbringen, wie bei einem Relief», sagt er.

Ein aufstrebender Künstler

Seit 2012 sind Ruchs Bilder regelmässig in Ausstellungen zu sehen. Ob in Bern, Muralto oder 2014 gar an der internationalen Kunstmesse in Rotterdam, der eigenwillige Stil sorgt immer wieder für Aufsehen. Im Frühjahr 2017 wurde der Sandkünstler online von der New Yorker Galerie «Artifact» kontaktiert und durfte neun Bilder in der Grossstadt ausstellen. «Das war eine spannende und grossartige Erfahrung», erinnert sich Ruch. Das mittlerweile auch internationale Interesse bereitet ihm grosse Freude, die regelmässigen Anfragen für die Teilnahme an Messen und Ausstellungen bestärken ihn in seinem Tun. Zudem hat seine Wohngemeinde Kirchberg kürzlich mehrere seiner Bilder erworben. Ruch hofft, in Zukunft ganz vom Verkauf seiner Bilder leben zu können. Aktuell verdient der studierte Musik- und Theaterwissenschaftler seinen Lebensunterhalt noch hauptsächlich als freier Kulturjournalist und mit Jobs im Theater.

Veränderung als Konstante

In seinen Anfangsjahren klebte Stephan Ruch seinen bunten Vogelsand noch auf eine Holzunterlage, heute verwendet er Karton. Auch der Stil der Werke hat sich verändert. Während er früher gerne weissen Leerraum in seine Bilder integrierte, nutzt er diesen nun, um seine Ideen bunter und dichter zu gestalten. Aus diesem Grund setzt er vermehrt die Aquarellmaltechnik als Hintergrund für das zentrale Element Sand ein. «Auch beim Mischen des farbigen Sandes habe ich Fortschritte erzielt. Nach wie vor mische ich herkömmlichen Vogelsand mit Acrylfarben, doch nun kann ich wesentlich intensivere Farbtöne herstellen», erzählt Ruch. Für mehr Strahlkraft sorgt auch eine Neuentdeckung aus der Zoohandlung: Für die schwarze Farbe verwendet er neuerdings schwarzen Reptiliensand statt eingefärbten Vogelsand. «Das Schwarz ist so viel intensiver und zudem hat dieser Sand ein wunderbar kristallines Glitzern», meint Stephan Ruch und lächelt. Gerade für die Darstellung ferner Galaxien oder die Tiefen des Meeres eigne sich der schwarze Sand ausgezeichnet, ergänzt er. Eins ist sicher: So schnell werden ihm die Ideen für seine Sandkunst nicht ausgehen. Und im Juli 2018 findet in der Schlossgalerie Belp die nächste Ausstellung statt. Wir sind gespannt!

http://www.sand-art.ch

Text und Fotos: Christian Bärtschi

Detail Sandbild
Der Sand wird auf die mit Leim bestrichenen Stellen aufgetragen. Überschüssiger Sand wird später entfernt.
Bunter Vogelsand
Bunter Vogelsand
Der Künstler mit seinem Lieblingsbild.
Der Künstler mit seinem Lieblingsbild.
Details eines Sandbildes
Details eines Sandbildes
Das Werk «Himmelsfeuer» (Foto: Stephan Ruch)
Das Werk «Himmelsfeuer» (Foto: Stephan Ruch)
Das Bild «Erntedank» (Foto: Stephan Ruch)
Das Bild «Erntedank» (Foto: Stephan Ruch)
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