Die Axt im Haus erspart den Zimmermann nicht!

Neulich war ich mit einer Bekannten unterwegs, um Pilze zu sammeln. In einem Gebiet, das ich zu kennen glaubte. Aber ach, alleine die Gemeinde Trub verfügt über eine Fläche von 64 Quadratkilometern, unzählige Gräben und Krächen verzweigen sich, Wege führen steil bergan und noch steiler bergab. Mit dem Subaru und im Schneckentempo chauffierte mich die Bäuerin durch verwunschene Wälder und feuchte Gräben hinauf auf eine sonnige Terrasse, die man überall erwarten würde, nur nicht da, in diesem engen Krachen. Und wie das so ist im Emmental, all überall stehen Häuser mit breiten Dächern und tiefen Lauben. Kleine, grosse, halb zerfallene, bombastisch renovierte, alles, aber auch alles trifft man hier an.

Geschätztes Alter der Gebäude, 200 wenn nicht 300 Jahre. Und man fragt sich, was sich die Menschen früher überlegt haben, als sie die Strapazen auf sich genommen und im abwegigen Gebiet solche Bauwerke erstellt haben. Balken sind verziert, von Hand geschnitzt. Optische Augenweiden. Handwerkskunst, die keine Wünsche offen lässt. Meist geräumige Dreisässenhäuser, mit Wohnung, Tenne und Stall unter einem Dach. Hochstudkonstruktionen, reine Ständerbauten also, mit Vollwalm-, Sattelwalm- oder Krüppelwalmdächern, mit Quergiebeln und einem Gerschild (Giebelschild). Selbst einfache Sommerställe für Kälber weisen stattliche Dächer auf. Beim Betrachten dieser verborgenen Bauten in den finsteren Gräben und beim Zuhören, was meine Begleiterin preisgab, wurde mir einmal mehr klar, dass die Region oft Zufluchtsort geplagter Städter ist. In dieser alten Scheune mit Wohnstube haust in den Ferien ein Professor aus Genf, selbst im Winter, wenn er die Rinder füttern muss. In jener alten Küherhütte verbringt seit Jahren eine Familie aus St.Gallen ihre Wochenenden. Und so weiter. Alle sind kleine „Sahlenweidlis“, die ein Leben wie zu Gotthelfs Zeiten gestatten. Und die Nachfrage scheint auch hier gross zu sein.

Nicht nur solche, die ein Haus kaufen wollen, sind ständig auf der Suche. Auch jene, die sich eine mietbare Wochenend- oder Ferienbleibe suchen, strecken ihre Fühler im Emmental aus. Die meisten Websites der Emmentaler Gemeinden sind denn auch entsprechend mit einem Link zu freien Feriendomizilen ausgerüstet. Besitzer, die es sich leisten können, bauen darum auch den kleinsten Heuschober aus. Das Potential ist aber noch lange nicht ausgeschöpft!


Übrigens: Die Dichte an Zimmereien, welche die Technik des Ständerbaus beherrschen und historische Bauten stilvoll zu neuem, modernem Leben erwecken, ist im Emmental extrem hoch. Ein Beispiel dafür etwa ist die Zimmerei Ramseier in Langnau oder die Zimmerei Kühni in Ramsei.

www.kuehni-ag.ch
www.ramseierholzbau.ch

Freie Wohnungen, Häuser oder alte Bauernhäuser finden Sie in der Immobiliendatenbank der Region Emmental.

Text und Bild: Verena Zürcher, Autorin und Verlegerin

www.landverlag.ch
www.lebenslust-emmental.ch

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