Die Figuren des Emmentaler Dichters Simon Gfeller

Zur Erinnerung an Leben und Werk des Emmentaler Dichters Simon Gfeller (1868 bis 1943) wurde 1970 im alten Schulhaus Thal in Heimisbach eine Gedenkstube eingerichtet. Zu Ehren des Dichters wurde der „Dürrgraben“ 1968 – 100 Jahre nach dessen Geburtsjahr - in Heimisbach umbenannt. Heimisbach ist der Titel seines Erstlingswerkes von 1910.

Parallel zu der Ausstellung im Simon Gfeller Museum finden seit einigen Jahren im Erdgeschoss des Stöckli beim Krummholzbad Wechselausstellungen statt.

Obwohl „Mundart“ zur Zeit voll in Mode ist, ist doch das Werk von Gfeller mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grunde hat die Simon Gfeller Stiftung zusammen mit der Schule Kramershaus / Heimisbach eine Ausstellung lanciert, in welcher die 75 Schüler vom 1. bis zum 9. Schuljahr nach ausgewählten Texten die Figuren nach den Beschreibungen Gfellers zeichneten.

Hier ein kleiner Einblick:

Text:
Ds Chlepfer-Änni
„Meinit nid öppe, i well n-ech vome junge, hübsche Meitschi brichte! Chlepfer-Änni ischt es alts Runzelefroueli gsi, es sufersch, aber wäger gar nüt meh es hübsches, hoffärtigs. Vo Hooröl oder Schmöckseife hett das sir Läbelang nüt gwüsst, u für die schittere Chleidli, wo-n-es treit het, hätt ihm e herrscheligeri Bättlere nid Dankheigischt gseit. Es wär nid gsi, das es settegi hätt müesse träge, es hätt scho besseri vermöge; aber es isch halt der Meinig gsi, für ihns sigi die hert guet gnue.“
Aus: Chlepfer-Änni, in: „Em Hag no“, Seite 82. (Diese Erzählung hatte es vor allem den Schülern der unteren Klasse angetan).

Eine Auswahl der Zeichnungen dazu:

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Richtige Kunstwerke entstanden etwa auch zum „Zwölfischlegel“

Text:
Der Zwölfischlegel
"Es isch der Zwölfischlegel gsi, en alte Schnapsvagant. Mi het ihm dä Ehretitel aghäicht, wil er mit sim grosse Chopf, sim mutschlige Lyb u sine Zuunstäckescheichline schier e chli eme Gloggechalle gliche het. … Wätterwillen abenangere, wie isch di Byse hinger ihn grote. Fascht uberschosse het sie ne u no sine dünne Chleidline gschnellt, wi-n-e böse Hung. D‘ Hosegstöss het sin ihm ufblost, mi hät chönne meine, er heig Wade wi der dickscht Waldhofpur. Der Wätterhuet het sin ihm abgschrisse u wi-n-es Redli übere Schnee ewägg tröhlt. … D’Ouge sin ihm uberglüffe; di blaui Nase het usgseh wi-n-e uberzuckereti Zwätschge; d‘Backen u Bartstuffle het es ihm ganz ubermählet, u ‚s rächten Ohr isch mit Schnee bstriche gfüllt gsi. … Aber de het ihm d’Byse gluegt dür e Chuttenermel hingere z’schlüüffe un ihm fasch der Narben abgschrisse bi de Hanggleiche düre. Dür all Schränz isch sin ihm ufs Blutte drunge, er het Hüehnerhut gha am ganze Lyb; die schlächte Hudle wo-n-er het anne gha, hei ke rächti Wermi meh ggäh."

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Zu fröhlichen oder lustigen Geschichten entstanden farbige Kunstwerke.
„D' Linge u ds Chingli“

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oder
„Ds Chropferfroueli“ aus „Bättlerplog“

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Bilder, die keinen Platz an der Wand fanden, sind nach Themen geordnet in Ordnern ausgestellt.

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Die Ausstellung ist zu besichtigen im Krummholzbad-Stöckli, 3453 Heimisbach.
Sie ist noch bis Ende Oktober jeweils Mittwoch-Sonntag von 09.00 Uhr bis 21.00 Uhr geöffnet. Freier Eintritt.


Texte und Bilder: Therese Sommer

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