Emmentaler sind die besten Fans - und Gastgeber!

Gerade Gäste aus der Ferne werden sich vor einer geplanten Reise ins Emmental fragen, was sie in diesem weltbekannten und ihnen doch so fremden Tal erleben werden. Wie die Menschen sind, welche hier leben, welche Einstellung Fremden gegenüber herrscht. Schliesslich hofft man als Tourist – egal wohin man reist – auf freundliche, offenherzige Menschen zu treffen, welche mithelfen, die paar Urlaubstage zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

Nun, über den Emmentaler gibt es viele Meinungen. Und viele Klischees. Eines sei vorweggenommen: Rückständige und Hinterwäldler gibt es hier nicht mehr als anderswo auf der Welt! Johann Jakob Schweizer, Anfang des 19. Jahrhunderts Pfarrer in Trub, schrieb dazu: „Der echte Truber ist etwas rauh und, ohne unhöflich zu seyn, fast grob, aber aufrichtig und ein Mann von Wort, fröhlich und heiter, und bey all seinem Ernst auch scherzhaft, anhänglich an seinen Ort und stolz auf seinen Truber Namen. Er spricht wenig, aber wahr und hält auf Sitte und Anstand. Er beleidigt nicht leicht, und nur ungern, dafür will er auch selbst nicht beleidigt seyn. Alle halten sie treu zusammen, und Einen beleidigen, heisst Alle beleidigen.“

Was der Pfarrer über die Truber schrieb, gilt auch für die anderen Emmentaler. Man spürt, dass die Menschen von der kantigen und schroffen Landschaft geprägt sind. Es gibt durchaus Gründe, warum die Menschen hier etwas grob wirken und sich nicht auf Anhieb mit Neuem anfreunden: Das Leben in all den abgelegenen Krächen ist zu entbehrungsreich als dass man jemals Erworbenes leichtsinnig aufs Spiel setzen würde.

Aber ein Satz hat es mir vor allem angetan. Und gerade am vergangenen Wochenende wurde mir bewusst, wie wahr die fast 200 Jahre alten Worte Schweizers sind: „Alle halten sie treu zusammen, und Einen beleidigen, heisst Alle beleidigen.“ Ich glaube, bis anhin vermochte kein einziger Beitrag auf Facebook, welchen die verantwortlichen der Emmentaler Fanseite geschrieben haben, so viele „Gefällt mir“ einzuheimsen wie „Üse Schtar – Beat Feuz gewinnt Lauberhornabfahrt“. Da ist sie, die Emmentaler Art! Ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das übrigens in Notsituationen nicht minder stark ist als in Zeiten der Freude! Man ist ganz einfach stolz, dass ein Hiesiger das Wunder geschafft hat. Und ich denke in diesem Zusammenhang auch an die Anteilnahme, als sich „unser“ Torhüter Tinu Gerber ernsthafte Verletzungen zugezogen hat; oder an die Aufschreie, als man den Eindruck hatte, dass er in der NHL zu oft und ungerechtfertigt auf der Ersatzbank sitzen musste. Einen beleidigen heisst ALLE beleidigen!

Seit Jahrzehnten schon spielt dies auch eine Rolle bei den SCL Tigers Fans. Wie oft schon hat die Schweiz darüber gerätselt, warum die Tigers auch in schlechten Zeiten so treue Fans haben, warum auch 1. Liga-Spiele noch so gut besucht werden. Nun, Emmentaler mögen kantig sein, zugeknöpft zuweilen. Aber sie sind treu und sie halten zusammen. Und ganz wichtig, es mag etwas dauern, bis der Funke springt, wenn sich etwas Neues nähert. Aber wem es gelingt, den Funken zum Springen zu bringen und offen ist, den Funken entgegenzunehmen, findet im Emmental das, was sich jeder Gast wünscht: Offenherzigkeit, Treue und absolute Zuverlässigkeit!

Text: Verena Zürcher, Bilder: Beat Feuz, Lebenslust Emmental/Carlo Schneider
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