"Endlich sind wir diesen Schwätzer los!"

„Endlich sind wir diesen Schwätzer los“, sollen die Leute nach Gotthelfs Ableben gesagt haben. Mit seinem Roman „Der Geldstag“ (Bankrott) würde er sich wohl auch heutzutage keine Freunde schaffen.  Rudolf Stalder hat aus der Romanvorlage ein berndeutsches Bühnenstück gemacht, mit welchem die Emmentaler Liebhaberbühner (ELB) nun auf Tour ist.

Jeremias Gotthelf war umstritten, weil er die Wahrheit liebte, die Tatsachen und diese in seinen Predigten und Büchern schonungslos offenlegte. Lützelflüh, sein langjähriger Wirkungsort als Pfarrer,  war reines - damals abgelegenes Bauernland.

Deshalb handeln seine Geschichten vorwiegend von Bauern und deswegen gilt er nach Brockhaus nur als „Schweizer Erzähler“, wird also nicht zu den „ganz Grossen“ (Goethe) gerechnet, obwohl er nicht weniger tief in die Menschenseele geblickt hat; nur hat er dort ganz Anderes entdeckt, weshalb er als „fromm“ eingestuft wird, obwohl er das gewöhnliche Volksleben in allen Details kannte, (bis hin zu den Derbheiten). Er war als scharfer Beobachter und Zuhörer über alles im Bilde, setzte sich in Wirtschaften, nur um Dinge zu vernehmen, besuchte Märkte, nur um zu beobachten.

„Der Geltstag“ ist eines der letzten und unbekanntesten Werke Gotthelfs, aber zugleich sein aktuellstes. Er hat darin die Zustände der Zeit, in der wir heute leben, vorausgesehen, vorausgenommen, mit all ihren hellen und dunklen Seiten: Das Eisi, das im Mittelpunkt seiner Geschichte steht, ist das „Vor-Bild“ all jener Frauen, die vor der Fülle eines übertrieben grossen Angebotes kapitulieren müssen, weil sie das Neinsagen nie gelernt haben und damit ihren Schuldenberg immer höher werden lassen und so womöglich einem Bankrott zusteuern. Weil Gotthelf die Frauen liebte, scheints, so heisst es, mehr, als einem Pfarrer zusteht, hat er keine Geschichten gegen Frauen geschrieben, er hat sie höchstens gewarnt vor Dingen, die sie auf Abwege bringen und ihnen Schmerz zufügen könnten.
Die Emmentaler Liebhanerbühne hat sich diesem Stück angenommen – und wie immer dürfen die Zuschauer beste Dramaturgie und Unterhaltung erwarten.

Übrigens: Rudolf Stalder, der das Bühnenstück schrieb und Mitbegründer der Liebhaberbühne ist, feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag. Das freilich hält ihn nicht davon ab, weiterhin für die Liebhaberbühne aktiv zu sein.

Quelle: ELB, bearbeitet von Verena Zürcher

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