Ferien im Emmental

Unsere heutige Gastbloggerin Marianne Helena Plüss aus Rothrist AG verrät uns, warum es sich doppelt und dreifach lohnt, die Ferien im Emmental zu verbringen. Wo auch immer Sie Ihre Osterferien verbringen mögen - wir wünschen Ihnen wunderbare Tage - und allen Aussichten zum Trotz ein paar wärmende Sonnenstrahlen!

Alle erzählten vom Urlaub. Kerstin war in Schweden gewesen, Sandra in Italien, Sonja war campen in Frankreich.
„Und du? Wo warst du?“ fragte mich Agnes, zurück aus Oslo.
„Ich war im Emmental.“
„Wie?“
„Im Emmental! Spinnst du? Bestimmt warst du bei deinem Bruder in Kanada und willst mich verarschen!“
„Nein.“
„Ja sag mal! Geht’s noch? Was gibt es denn da ausser Kühen schon zu sehen? Da läuft doch nichts. Hast du etwa ein Burnout und der Arzt hat dich dahin verdonnert?“
Ich klärte Agnes auf.

Meine Vorfahren besassen im Emmental ein Haus. Das wurde eines Tages zum Ferienhaus umfunktioniert. So kamen wir auf die Idee, uns dort zu erholen. Egal welche Jahreszeit, es war immer passend. Ein Paradies für Kinder. Sie konnten sich im Sommer nach Herzenslust draussen austoben ohne vom Auto überfahren zu werden.

Einer meiner Söhne hat eine schwere Hörbehinderung und hört keine Motoren. Die Kinder lernten dort, wie man den Herd und Ofen einfeuert. Dosiert, ohne dass es die Steinplatte des Ofens sprengt. Sie erfuhren wie man Holz spaltet. Denn wenn die Bise ums Haus pfiff konnte es ordentlich kalt werden. Sie verstanden, dass man bei dreizehn Grad minus mit der Mütze, Wollsocken, Bettflasche und Chriesisteisäckli ins Bett geht. Und abends abspricht, wer am Morgen zuerst aufsteht um zu heizen. Natürlich war ich das. Ich hatte es am besten im Griff – ohne den Rest der Familie auszuräuchern. Ausserdem sind Emmentalerinnen die besten Frauen, die es gibt. Nach aussen hin robust, inwendig aber warm und weichherzig.

Ich zählte auf, was es alles an Sehenswürdigkeiten gibt. Ich vergass nichts. Dann fügte ich bei, dass das Emmental das Herzstück der Schweiz sei. Nirgends sei es im Herbst schöner. Besonders dann, wenn die zarten Nebel aus den Gräben aufsteigen und diesen leichten Hauch von Melancholie über die sanften Hügel und Eggen verbreiten. Zuletzt sagte ich: „Aber das Schönste ist, dass an sternklaren Nächten die Milchstrasse direkt über dem Haus zu sehen ist, weil keine Strassenbeleuchtungen und Neonreklamen den Himmel verschmutzen. Es gibt nichts Schöneres, als an einem warmen Sommerabend bei einem Glas Wein draussen zu sitzen und nur das Zirpen der Grillen zu hören.“

Alle schwiegen. Sonja seufzte. Sie glich einem Streuselkuchen. Sie war beim Campen in engen Kontakt mit französischen Stechmücken geraten. Sie sah mich flehend an. „Sag mal, an wen muss man sich wenden, wenn man das Haus mal mieten will?“

Übrigens: Auch Sie können unser Gastblogger, unsere Gastbloggerin werden. Bewerben Sie sich mit einer E-Mail an info@landverlag.ch.

 

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