Freilichttheater Moosegg Schwarmgeist

Die Tatsache, dass vor 150 Jahren der Emmentaler Mundartschriftsteller Simon Gfeller das Licht der Welt erblickte, nahmen die Freilichtspiele Moosegg zum Anlass das Volksstück „Schwarmgeist“ mit 27 Aufführungen auf den Spielplan zu setzen. Das Stück geht zurück auf ein Schauspiel Simon Gfellers und wird in einer Neufassung auf der Moosegg eine Uraufführung erleben. Dies ist ein tolles Stück, mit viel Tiefe, einer Prise Humor und vor allem mit starkem, emotionalem Berndeutsch.

Wir schreiben das Jahr 1916 – Erster Weltkrieg. Schauplatz: ein Hof im Emmental.

Der Bauer Ueli Reist ist eingezogen, an der Grenze. Seine junge Frau Stüdi, Mutter von zwei Kindern, führt zusammen mit Knecht und Magd und der Schwägerin Elise Reist den Hof. Elise, von einer tiefen, ja krankhaften Frömmigkeit umgeben, verspricht für Ueli und um Gottes Beistand auf dem Hof zu beten. Ein Brief, der von einer Verwundung von Ueli im Krieg berichtet, deutet die junge Hofherrin als eine göttliche Fügung, als sich die Verletzung nur als eine Verstauchung des Knöchels herausstellt.

Stüdi hört nur noch auf ihre fromme Schwägerin Elise und wird ihr hörig.

Dann erkrankt das älteres Kind Sämu. Während alle anderen ärztliche Hilfe holen wollen, will die beeinflusste Stüdi Reist das Schicksal ihres Sohnes einzig in Gottes Hände legen. Es kommt, wie es kommen muss: Sämu überlebt die Krankheit nicht.

Schwarmgeist - keine leichte Kost – stammt aus der Feder des Emmentaler Dichters Simon Gfeller. Keiner kannte die Verhältnisse im Emmental besser und könnte sie treffender in ein Theaterstück einbinden. Dem jungen Regisseur Simon Burkhalter ist es gelungen, das aus langen Monologen bestehende Stück mit einem zeitgemässen Anstrich zu verpassen. Er hat das Ganze sprachlich in die heutige Zeit geholt und dem tiefgründigen, schweren Stoff mit teilweise humoristisch auflockernden Szenen einen Inhalt verpasst, der das Hofleben realistisch zeigt: wie sich Knecht und Magd necken oder das Wiedersehen des Dorfarztes und der Nachbarin Käthi Dreier.

Sie ist es auch, welche den beiden „frömmeligen“ Rollen von Stüdi und Elise Gegensteuer gibt und mit ihrer direkten und durchblickenden Art die oft gar schwermütigen Szenen aufmischt. Eine resolute, lebensfreudige Frau, welche der in einem religiösen Wahn gefangenen Elise Reist einen Schlagabtausch über den Glauben liefert. „Das Beten sei wie ein Schluck Wasser, wenn einem heiß und man durstig sei“, hält sie Elise sinngemäss entgegen. „Wenn aber einer den ganzen Tag nur am Wasserrohr hange, könne kaum etwas Richtiges zustande kommen“.

Die Waldbühne auf der Moosegg bietet die perfekte Kulisse um genau dieses Theaterstück zu spielen. Das Bühnenbild und die Requisiten sind aufs wesentliche beschränkt, dadurch wird die Umgebung und der Himmel, welcher sich darüber spannt, das Rascheln im Laub und die Wetterstimmungen voll aufgenommen und verleihen dem intensiven Stoff etwas Magisches, das einem nicht mehr wegschauen lässt.

Schwarmgeist wird noch bis am 18. August auf der Waldbühne Moosegg aufgeführt: Weitere Infos und Tickets erhalten Sie unter

www.freilichtspielemoosegg.ch
www.moosegg.ch

Im neu erschienen Buch „Simon Gfeller und das Theater“ finden Sie alle von Gfeller verfassten Schauspiele in der Originalfassung abgedruckt. Das Buch kann bei Therese Sommer, Krummholzbad 117, 3453 Heimisbach (th.sommer@bluewin.ch) bestellt oder während den Öffnungszeiten direkt im Gasthof Krummholzbad abgeholt werden (Fr. 38.00 bei Versand plus Porto und Verpackung).

Text: Therese Sommer
 

comments powered by Disqus