Fruchtbarer Boden für Dichter und Denker

Die Aspiegg, im letzten Beitrag beschrieben, ist nicht nur ein Kraftort. Man geniesst dort oben auch eine wunderbare Rundsicht aufs Emmental, gilt der Ort doch wie erwähnt als Nabel der Region, als ein Punkt, an dem die vier Amtsbezirke Konolfingen, Burgdorf, Trachselwald und Signau aufeinandertreffen. Und jeder dieser Bezirke hat auch einige grosse Schriftsteller hervorgebracht.

Der Sohn des Dorfpfarrers aus Konolfingen, Firedrich Dürrenmatt ( u.a Der Besuch der alten Dame), sollte es zu Weltruhm bringen. Genauso wie der Dichterpfarrer Jeremias Gotthelf ( u.a. Geld und Geist), den sein beruflicher Werdegang nach Lützelflüh verschlug.

Dort, oben auf der Egg, gedieh ein anderer grosser Dichter und Denker: Simon Gfeller ( u.a. Heimisbach), dessen Werke in den letzten Jahren eine richtige Renaissance erleben. Fast als Nachbar der Aspiegg, am anderen Ende des Löchliwalds, ist die Hammegg. Geburtshaus des Schriftstellers Karl Grunder ( u.a. Hammegg-Lüt). Weiter in Richtung Oberemmental treffen wir in Langnau auf Ernst Eggimann ( u.a. Henusode), der vor allem in den siebziger Jahren für Aufsehen sorgte. Noch im Jahr 2008 wagte sich der Poet an eine „Mordsgeschichte aus dem Emmental“, welche zusammen mit 20 anderen Kurzkrimis im gleichnamigen Band veröffentlicht wurde.
Was den Filmemachern als beliebte Kulisse dient, war und ist auch den Schriftstellern immer wieder ein Werk wert: Die Gemeinde Trub. Karl Uetz ( u.a. Trueber), Elisabeth Baumgartner ( u.a. Chnöpf u Blüeschtli) und Gottfried Fankhauser ( u.a. Der Wedelemacher) stammten alle drei aus diesem Dorf und sorgten mit ihren träfen Beschreibungen über Land und Leute für einiges Aufsehen – und manchmal auch für rote Köpfe.

Freilich zieht es auch Auswärtige ins Emmental, um zu schreiben. So den Berner E.Y. Meyer. Dazu ein Zitat aus dem Archiv des „Bund“: „Ein 27-jähriger Berner Primarlehrer avancierte mit seinem Roman ‚In Trubschachen‘ zur Sensation des Bücherherbstes 1973. Suhrkamp-Chef Siegfried Unseld verkündete euphorisch: ‚Das Emmental kann und wird niemals mehr eine so detaillierte Darstellung erhalten. ‘ E. Y. Meyer setzte das Dorf auf die literarische Weltkarte – nicht unbedingt zur Freude der Einheimischen.“

Meyer ist bei weitem nicht der einzige Lehrer in obiger Aufzählung. Sowohl Gfeller, Grunder, Uetz, Fankhauser als auch Eggimann amteten hauptberuflich als Lehrer. In diese Lehrerliga reiht sich auch der bald 92jährige Hans Ulrich Schwaar ein, dessen neustes Werk „Läbigs Bärndütsch“ gerade erschienen ist. Elisabeth Baumgartner dagegen war Bäuerin, Goffhelf bekanntlich Pfarrer und Dürrenmatt hätte unbedingt Maler werden und somit die Kunsthochschule besuchen wollen. Auf Druck der Eltern absolvierte er dann ein Studium in Philosophie, Naturwissenschaft und Germanistik.

Heutzutage ist es vor allem der Oberburger Arzt Paul Wittwer, der mit seinen Krimibestsellern ( u.a. Giftnapf) die erfolgreiche Schreiberei seiner „Ahnen“ weitertreibt. Aber auch die Burgdorfer Journalisten Hans Herrmann (u.a. Albdrücken), Christine Brand ( u.a. Das Geheimnis der Söhne) und Marina Bolzli ( u.a. Innere Enge), und die aus Wasen stammende Sandra Rutschi ( Im Schrebergarten) oder die Wahl-Langnauer Achim Parterre ( u.a. Im Chäsloch) und Gabriel Anwander ( Schützenhilfe) sorgen im aktuellen Bücherjahr mit ihren Neuerscheinungen dafür, dass das Emmental seine gute Tradition mit bemerkenswerten Autoren aufrechterhalten kann. Unzählige weitere Autorinnen und Autoren aus dem Emmental veröffentlichten in den letzten 20 Jahren ihre Geschichten, meist in Mundart.

Übrigens: Auch Endo Anaconda (u.a. Walterfahren) hat, wie Tinu Heiniger (Mueterland) oder Sabine Reber (Ins Feld geworfen), Emmentaler Wurzeln und zieht sich zum Arbeiten an seinen sackstarken Texten oft und gerne an den Fuss des Napfs zurück.

Text: Verena Zürcher, Bilder: Peter Aegerter/Lebenslust Emmental und Verena Zürcher
http://www.landverlag.ch/

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