Glaskunst zwischen Milano und Burgdorf

Die Künstlerin und Designerin Maya Manz lebt und arbeitet in Burgdorf am Fuss der Oberstadt, nahe der Stadtbibliothek. Sie hat das Handwerk der Kunstglaserin in Mailand erlernt und arbeitet noch heute vorwiegend mit Glas. Aus Elementen alter Spiegel stellt sie mithilfe der Mosaiktechnik und der Tiffany-Technik neue Spiegel her, kreiert aber auch farbenfrohe Halterungen für Küchentücher, die an den Süden erinnern und Ferienstimmung verbreiten.

Es war die Liebe zu ihrem Partner, die Maya Manz nach Burgdorf gebracht hat. Hier hat sich die 49-Jährige ein Atelier in einem alten Haus aufgebaut, nebenher das Gebäude schonend renoviert und dafür sogar einen Preis des Denkmalschutzes erhalten. «Ich würde sehr gerne weitere Häuser renovieren, aber es ist natürlich auch eine Frage des Geldes», erklärt Manz und lacht ihr helles Lachen. Sie ist eine lebhafte und fröhliche Person. Kein Wunder, dass viele sie für eine Italienerin halten. Den italienischen Pass besitzt sie zwar nicht, aber die Beziehung zu Italien ist sehr eng: Als die gebürtige Zürcherin mit ungefähr 20 Jahren nach Mailand kam und die Lehre zur Kunstglaserin absolvierte, zog sie die Stadt der Mode und des Designs in ihren Bann. Sie stellte sogenannte Gegenfenster aus farbigem Glas her und genoss das Leben in der pulsierenden Grossstadt. In den 1990er Jahren ging mit der Krise die Nachfrage nach diesen Gegenfenstern zurück. Nach sechs Jahren als Angestellte reduzierte Manz ihre Arbeitspensum auf 50 Prozent und baute parallel dazu ein eigenes Atelier in Mailand auf. Die Künstlerin suchte nach einem Weg, Design mit Kunsthandwerk zu verbinden. Nach ihrer Ansicht gehört Kunst in den Alltag und sollte genutzt werden. Ihr gelang es bald, ihre Kunstwerke im angesehenen Designgeschäft eclectica zu verkaufen. Die Inhaberin Teresa Ginori, eine Frau mit viel Fachwissen, unterstützte Maya Manz nach Kräften und liess ihr freie Hand bei der Kreation. «Das war für mich eine super Gelegenheit und eine tolle Erfahrung», erinnert sich die Glaskünstlerin.

Die Liebe zum Süden

Heute lebt und arbeitet Maya Manz in Burgdorf, doch ab und zu fährt sie nach Mailand, um in ihrem dortigen Atelier grössere Werke, vor allem Möbel, zu kreieren oder alte Freunde und Kunden zu treffen. Die Stadt in Norditalien, das spürt man, hat einen grossen Platz im Herz der Künstlerin. Die Liebe zum Süden widerspiegelt sich auch in ihren Werken. So zeigen die von ihr entworfenen Halterungen für Küchentücher oft italienische Motive: Eine Baci-Schokolade-Papierchen wird so zu einem praktischen, schönen Küchenhelfer. Nebst der selbstständigen Tätigkeit arbeitet Manz zwei Tage pro Woche im KüchenLaden in Bern. Dort werden auch ihre Produkte angeboten, beispielsweise kleine Gestelle für Gewürze oder Getränke oder die bereits erwähnten Küchentuch-Halterungen.

Alten Materialien ein neues Leben schenken

In ihrer Werkstatt im Untergeschoss zeigt Manz, wie sie aus Teilen alter Spiegel ihre Spiegel gestaltet und die einzelnen Glasstücke mit Mosaikzement aufklebt und so verbindet. Auf diesem Weg entsteht aus alten Materialien etwas Neues. «Mir gefällt die Arbeit mit kostengünstigen oder nicht mehr gebrauchten Materialien», erklärt Manz. Mittlerweile hat es sich in der Nachbarschaft herumgesprochen, dass die Künstlerin gerne alte Spiegel verarbeitet. Regelmässig findet sie am Morgen neue Schätze vor ihrem Atelier. Sie ist dankbar für diese Gaben, obwohl sie die Spenderinnen und Spender meist gar nicht zu Gesicht bekommt und sich nicht einmal bedanken kann. Sie zeigt auf einen alten Spiegel mit abgerundeten Ecken: «Sehen Sie, nur alte Spiegel haben dieses warme, gelbliche Licht. Aber eigentlich ist dieser Spiegel fast zu schön, um ihn zu zerschneiden.» Doch die Freude an ihrem Tun wird Maya Manz schlussendlich trotzdem dazu bringen, sich dem alten Spiegel anzunehmen. Und so wird das warme, gelbliche Licht irgendwo in einem Wohn- oder Schlafzimmer wohl schon bald ein zweites Leben erhalten.

http://mayamanz.ch/

Text und Fotos: Christian Bärtschi

Berühmte Schauspielerinnen werden von Maya Manz in bearbeitetem Spiegel verewigt.
Berühmte Schauspielerinnen werden von Maya Manz in bearbeitetem Spiegel verewigt.

Die gemusterten Flächen entstehen durch das Sandstrahlverfahren.
Die gemusterten Flächen entstehen durch das Sandstrahlverfahren.

Maya Manz fertigt mithilfe der Mosaiktechnik aus alten Spiegelteilen einzigartige Spiegel.
Maya Manz fertigt mithilfe der Mosaiktechnik aus alten Spiegelteilen einzigartige Spiegel.

comments powered by Disqus