Jetzt geht's den Schafen an die Wolle

Schafhaltung ist im Emmental kein landwirtschaftlicher Betriebszweig von grosser Bedeutung. Dennoch trifft man immer wieder mal auf ein paar Schafe. Besonders die steilen Borde, von denen es im „Hogerland“ mehr als genug gibt, werden gerne den Schafen – neuerdings aber auch Lamas und Alpakas – überlassen.

Vor allem die Schafwolle war in den letzten Jahren ein eher unliebsames Nebenprodukt der Schafhaltung, da sie auf dem Markt nicht mehr die Anerkennung und dadurch auch nicht mehr den Preis hatte wie in früheren Zeiten. Zum Zwecke extensiver Nutzung von Weideland aber sind die Schafe eine gute Alternative. Und der neu erwachte Filz-und Strickboom dürfte auch der Wollverwertung neue Impulse geben.

Ein spontaner Ausflug am Samstag hat mich in Schwarzenbach bei Huttwil in ein kleines verwunschenes Paradies geführt und mir gezeigt, dass auch Regionen im Emmental, die mir weniger bekannt sind, ihren Reiz haben. Nur wenige Meter von der „äusseren Schlüecht“ entfernt ist der Betrieb von Johann Grädel und seiner Familie beheimatet. Die Zufahrt zum stattlichen Hof ist von Weideland gesäumt, auf dem sich Kamele, Alpakas und allerlei Schafe tummeln. Eine haarige Sache schon auf den ersten Blick. Und wo es so viel Wolle gibt, dürfen natürlich auch die Jurten nicht fehlen. Etliche stehen auf dem Feld – und alle sind besetzt, als ich meinen Rundgang über das Anwesen mache. Der Familienbetrieb boomt. Besser bekannt ist der Hof unter dem Namen „Spycher Handwerk“. Und die Vielfalt in und um das Anwesen gibt einiges her. Nebst dem Kerngeschäft, der Schaukarderei, gibt es bei Grädels noch viel mehr zu sehen: Der gross Laden, der sich ganz und gar dem Thema Wolle und Wollverarbeitung annimmt, dann wie bereits erwähnt die Jurten – und nicht zu vergessen die stattliche Anzahl „Pro Specie Rara“-Tiere, die sich auf dem Hof tummeln.

Am kommenden Samstag erwarten Grädels wieder mehrere Tausend Besucherinnen und Besucher. Ähnlich wie beim „historischen Handwerkermarkt“, den sie jeweils im Sommer durchführen, ist auch die Schafschur ein Höhepunkt im Kalender. Die blökenden Wollknäuel werden geschoren, die Wolle sodann gewaschen, gefärbt und gesponnen. Wer also Lust hat, das ganze Drumherum der Wollverarbeitung hautnah zu erleben, ist am Samstag in Schwarzenbach bei Huttwil an guter Adresse. Nebst der Wollverarbeitung gibt es auch andere Schafprodukte wie Fleisch und Käse zu geniessen. Und schliesslich zeigen Hütehunde, was sie in Sachen Herdenschutz so alles drauf haben.

Übrigens: Eine Woche später, am Samstag, den 29. Oktober, findet in Huttwil der 30. Zibelemärit statt.

Text und Bilder: Verena Zürcher
http://www.landverlag.ch/

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