Junghennen und Hosenträger - es naht der Herbstmarkt!

Der Herbst ist nicht nur die Zeit der Jäger, Pilzler und Wanderer. Es ist auch die Zeit der Marktfahrer. Der im Emmental wohl bekannteste Marktanlass ist, nebst dem mittlerweile legendären Gotthelf-Märit  in Sumiswald, der Langnau-Märit, respektive der jeweilige Herbstmarkt. Und der findet am kommenden Mittwoch wieder einmal statt.

Schon als Kind war es die Sensation schlechthin – denn früher gab es nur am Herbstmärit ein Rösslispiel. Ein riesengrosses, nostalgisches mit stolzen Pferden und glänzenden Kutschen. Das hat sich mittlerweile etwas geändert; neu steht an jedem Markt ein Karussell – mit kitschigen Ufos und brummenden Töffs. Aber die Faszination bleibt dennoch bestehen: Vom Hosenträger bis zur Junghenne, vom Traktor bis zur Nähnadel: Was hier feilgeboten wird, ist einfach sehenswert. Und wer nicht der Waren wegen kommen mag, kommt, um zu sehen und gesehen zu werden. Von weit her, aus allen Krächen und Gräben, von allen Högern und Weilern reisen die Menschen nach Langnau, und sei es auch nur, um eine Crèmeschnitte oder ein Magenbrot zu verdrücken oder im „Hirschen“ einzukehren. Für Fremde muss dieses Treiben noch viel einzigartiger sein, denn hier, am Langnauer Herbstmarkt, trifft man auf Menschen, die aus einer anderen Zeit zu kommen scheinen.

Historisch gesehen gehen die Langnauer Dorfmärkte wohl ins 13. Jahrhundert zurück. Man glaubt, dass 1286, als sich das Kloster Trub unter die Herrschaft Berns stellte, der Grundstein dafür gelegt wurde. Urkundlich sind die Märkte 1467 erstmals erwähnt. Das alte Bern bewilligte den Langnauern erst vier, im 18 Jahrhundert fünf solche Anlässe. Heute findet der Langnauer Markt sechsmal im Jahr statt. In den Städten waren es die Zünfte, welche das Marktwesen kontrollierten. Diese empfanden die Landmärkte als Konkurrenz und gaben erst Ruhe, als die Regierung vorschrieb, dass das Warenangebot auf dem Land eingeschränkt werden müsse. Die Zünftler waren der Meinung, dass sich die Landbevölkerung lediglich mit dem eindecken sollte, was das eigene Land hergab. Langnau ist einer der wenigen historischen Marktorte, die trotz dieser massiven Einschränkungen überleben konnten.

Übrigens: Heute steht das Rösslispiel nicht mehr auf dem Viehmarktplatz sondern unmittelbar vor dem Langnauer „Chüechlihus“ . Das kleine aber feine Regionalmuseum beinhaltet auch Objekte, die wohl schon damals, als die ersten Märkte stattfanden, im Gebrauch waren.

Text: Verena Zürcher, Autorin und Verlegerin, Bild: Langnau Tourismus
http://www.landverlag.ch/

comments powered by Disqus