Schulbub • Seminarist • Schulmeister

Simon Gfeller 1868 – 1943 / Lehrer und Schriftsteller.

Schulbub • Seminarist • Schulmeister ist das Thema der aktuellen Ausstellung, konzipiert durch die Simon Gfeller Stiftung, im alten Schulhaus Thal, Heimisbach. Die Räume der damaligen Unterstufe, wo auch Simon Gfeller zur Schule ging, bilden den Rahmen der Ausstellung, welche in Zusammenarbeit mit dem Schulmuseum Bern gestaltet wurde.

Beim Eintritt in die Stube fühlen sich gewisse Jahrgänge gleich zurückversetzt in ihre ersten Schuljahre. Hölzerne Pulte mit Klappbänken, einem schrägen Pultdeckel und einer Ablage mit Aussparung fürs Tintenfass, Feder und Griffel und vorne am Pult eine Einrichtung zum Einschieben der Schiefertafel. Gleich bildet sich in meinem Kopf der Satz „Gue-te Tag Leh-re-re, eintönig und abgehakt, jeden Tag im gleichen Tonfall, sobald die Lehrperson die Schulstube betritt. Nach dem freundlichen Guten Tag der Lehrerin das Geräusch der Klappbänke, die fast alle miteinander herunterklappen und je nach Gewicht und Temperament des Schülers mehr oder weniger knarren.


Alte Schulhilfsmittel wie ein ausgestopfter Hase, eine Weltkugel (Globus) und verschiedene Tafeln mit Ornamenten, Schriften oder Rechenbeispielen hängen an den Wänden. Ein Zählrahmen und eine grosse Tafel gehören ebenso zum Schulinventar. Etwas versteckt liegt beim Lehrerpult ein dreieckiges Holzscheit. Erst dachte ich, dies sei symbolisch dafür, dass die Schüler zu Gfellers Zeiten auch das Brennholz selber rüsten und die Schulstuben selber heizen mussten. Schnell wurde ich jedoch eines andern belehrt: Das Scheit diente zur Züchtigung, indem sich der fehlbare Schüler/Schülerin auf die Kante des Scheites knien und so ausharren musste. Durch seitliches Ausstrecken der Arme und in jeder Hand ein Buch haltend, wurde die Strafe noch verschärft. Im hintern Teil der Schulstube steht ein Tisch mit Schreibzeug und Papier bereit. Hier dürfen sich die Ausstellungsbesucher im Schreiben mit der Feder und Tinte üben. Verschiedene Schriftmuster sind als Anleitung vorhanden und es darf nach Lust und Laune geübt, geschrieben und gekleksert werden.

Das kleine Museum zeigt nebst der erwähnten Schulstube viele Originalschriften, Zeugnisse und Lehrmittel die noch nichts mit Notebook oder Beamer zu tun haben. Aber auch ein Stundenplan oder eine Karte mit den verschiedenen Schulwegen Simon Gfellers, welche aufzeigt, wie lang und beschwerlich, aber auch wie abwechslungsreich und interessant ein Schulweg sein konnte. Ein Tondokument einer ehemaligen Schülerin von Simon Gfeller sowie eine Zitatensammlung runden die Ausstellung ab. Gleichzeitig zur Ausstellung im alten Schulhaus Thal befindet sich im Stöckli Krummholzbad eine Ausstellung mit Schulwandbildern, welche ab 1936 als Anschauungsmaterial den Schülern ein breites Spektrum aus Technik, Kultur, Natur und Geschichte aufzeigten. Namhafte Künstler wie Alois Carigiet, Hans Erni oder Viktor Surbek haben Schulwandbilder gestaltet.

 

Gut zu wissen
Beide Ausstellungen sind täglich von 09.00 bis 18.00 offen (bis Ende Oktober 2016)
Die Ausstellung mit den Schulwandbildern richtet sich nach den Öffnungszeiten des Restaurants Krummholzbad und kann auch abends besucht werden.
Der Eintritt ist frei. Die Bücher und Hörbücher von Simon Gfeller können vor Ort, zum Teil zu ermässigtem Preis, gekauft werden. Beide Ausstellungen sind für Erwachsene wie für Kinder sehenswert und sind gute Themen für Schulreisen und Maibummel.

Links
Simon Gfeller Stiftung
Schulmuseum Bern

19. Mai 2016 / Therese Sommer

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