Trinken Sie Wasser wie ein Ochse!

Ich wohne seit einer Weile in einem alten Taglöhnerhaus, das an der Herzroute liegt. Vor dem Haus steht ein mächtiger Brunnen. Täglich stoppen Flyerfaher und erlaben sich dort. Und immer wieder höre ich dasselbe Loblied: „Es gibt nichts Feineres als frisches Quellwasser!“ Wie recht die Touristen doch haben! Das Emmental, insbesondere die Gemeinden rund um den Napf, sind mit dem kostbaren Nass gesegnet. Wo so viele Holzbrücken sind, muss es ja auch viel Wasser geben. Und in der Tat, neben den Hauptflüssen Emme und Ilfis plätschern im Emmental Dutzende Bäche und sprudeln unzählige Quellen.

Das Napfbergland verfügt wie kaum eine andere Region in der Schweiz über ein sehr dichtes Quell- und Grundwassernetz. Denn hier gehen oft Gewitter nieder. Zudem ist die Landschaft am Napf geprägt vom Molassemeer, welches bis ins Wienerbecken reichte, und von den Eiszeitgletschern, aus denen der gut 1'400 Meter hohe Napfgipfel immer hervorlugte. Die Gletscher waren es, die in der Molassenagelfluh riesige Tröge schufen, in denen das Grundwasser gespeichert ist. Die stark bewaldeten Krächen und Höger, die schroffen Nagelfluhfelsen und die weitgehend unberührten Bergweiden sind Horte grosser Wassermassen, die den schädlichen Einflüssen unserer Umwelt nur bedingt ausgesetzt sind.

Es ist wohl so, dass kein anderes Element die Menschen so sehr zu faszinieren mag wie das Wasser. Kein anderes Molekül ist so wichtig wie der Atomverbund H2O. Wer denkt bei einem Schluck Wasser schon daran, dass er damit auch kosmische Urmaterie geniesst. Denn der Wasserstoff, einer der beiden elementaren Bestandteile von H2O, ist ein viele Milliarden Jahre altes kosmisches Fossil. Trotz bekannter chemischer Formel H2O: Wasser bleibt ein Phänomen mit einer unbekannten Komponente, welche dieses wunderbare Element zu dem macht, was es ist. Wasser beeinflusst, fördert oder bedroht unser Leben seit Urzeiten mit Kräften, die nur schwer fassbar sind.

Im Emmental muss und soll also niemand Durst leiden. Um den Flüssigkeitshaushalt des Körpers auszugleichen, sollten wir täglich mehr als zwei Liter Wasser aufnehmen. Der Landgasthof Sternen in Trub zelebriert das Wasser in seinem Eingangsbereich darum mit einem ganz speziellen Brunnen, einem, der nach den Erkenntnissen des Tirolers Jacob Grander ausgerüstet ist. Grander vertritt die Überzeugung, dass Wasser Informationen speichert und so gesehen Gedächtnis, Geist, Körper und Geschichte unseres Planeten ist. Durch äussere Einflüsse könne das Wasser seine Urinformationen verlieren und müsse darum neu belebt werden.

Übrigens: Ob man an Granders Theorien glauben mag oder nicht: Das Emmentaler Trinkwasser ist von bester Qualität, darum halten Sie sich ans alte Sprichwort: "Trink Wasser wie ein Ochse und Wein wie ein König!"

Text und Bilder: Verena Zürcher, Autorin und Verlegerin
www.landverlag.ch
www.lebenslust-emmental.ch

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