Und den Samichlaus gibt es doch - zumindest im Emmental!

Frank Gerber, der Autor der nachfolgenden Kolumne "Die Vision mit dem Lebkuchen", findet es absurd, dass manche Eltern ihr Kinder anlügen und behaupten, den Samichlaus gäb’s gar nicht. Warum er das so sieht, erläutert er in seiner aktuellen „Sumpftour“, die jeweils im Magazin "Lebenslust Emmental" erscheint:

„Vorwärts zum Echten. Und der Echte ist sicher nicht der Grossvater von Barbie, der mit dem Coca-Cola-Truck über die Milchstrasse donnert. Der Echte ist leise, unwirklich, poetisch. Nur: Den echten Samichlaus muss man erst einmal finden. Auf Chlausensuche (man spricht nicht von Jagd!) in der verschneiten Dämmerung auf einsamen Eggen wird der Sumpftourist plötzlich von einem geheimnisvollen Grumseln erfasst. Doch halt: Dort am Waldrand, war das nicht ein roter Mantel?
Vom echten Samichlaus kann man immer nur einen Blick erhaschen. Er bleibt eine flüchtige Vision, komponiert aus Kindheitsnostalgie, kalten Füssen und Kaffee fertig. (Jedenfalls werden Sie ihm nüchtern im Hochsommer nicht begegnen.)
Wann und wo der Echte auftaucht, lässt sich nicht voraussagen. Sicher weiss man nur, wo er nicht anzutreffen ist. Er mag keine Weihnachtsmärkte und keine Styroporbecher, keine klebrigen Finger und überhaupt keine Verbrechen gegen die abendländische Trinkkultur. Drum taucht er sicher nirgends auf, wo Glühwein ausgeschenkt wird. Dort wärʼs ihm eh viel zu laut.

Aber so um den 6. Dezember rum kann man ihm durchaus begegnen. Wichtig ist einfach die richtige Stimmung. Zur Einstimmung empfiehlt sich ein Besuch der Kirche Rüegsbach. Schindelgedeckt, auf einem Hügel, mit den umliegenden Häusern ein wunderbares Ensemble bildend. Sie enthält die vielleicht ältesten Glocken der Schweiz aus dem 12. Jahrhundert. Und ein buntes Glasfenster von Leo Steck (1883–1960). Das erzählt die Weihnachtsgeschichte. Vom verkündenden Engel bis zum Krippenkind. Natürlich inkl. Ochs und Esel. Da kann man den Zimt riechen …
Unterdessen kommt die Dämmerung, und Stecks Esel leitet gedanklich zurück zum Samichlaus. Letztes Jahr kam er beim Roggengratbad vorbei. Wer drinnen sass, die Hände am warmen Glas, sah ihn durchs Fenster mit Schmutzli und Esel von weither durch den Schnee stapfen (ja, es lag tatsächlich schon der erste Schnee). Ein wunderschön poetisches Bild. Dass er sich dann in der Gaststube als der Hans oder der Fritz entpuppt, ändert nichts daran: Für einen Moment hat man draussen im Schnee den echten Samichlaus gesehen.“

Was jetzt noch fehlt zur Volkommenheit, ist der Schnee - aber der aktuelle Wetterbericht lässt hoffen. Also denn, auf zur Samichlaussuche!

Text: Frank Gerber/Lebenslust Emmental, Verena Zürcher, Bild: Verena Zürcher

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