Varlin – Ausstellung im Museum Franz Gertsch in Burgdorf

Warum ich gerade auf Varlin stiess für den Oktober-Blog? Im Zusammenhang mit den Schreckensmeldungen des Bergsturzes von Bondo entnahm ich der Presse, dass die Bilder von Varlin in Sicherheit sind. Da hat es bei mir „klick“ gemacht, war ich doch vor einigen Jahren auf einer Wanderung durchs Bergell auch in Bondo – eher zufällig machten wir hier Rast und waren fasziniert von dem alten Dorfkern, der Kirche San Martino und den Menschen, die uns während dieser kurzen Pause begegneten.

Kirche San Martino

Die Liebe verschlug den Zürcher Varlin, der mit bürgerlichem Namen Willy Guggenheim hiess, ins Bergell. Sein Spätwerk entstand in Bondo und gilt als Höhepunkt seines Schaffens. Seine Tochter Particia Guggenheim lebt noch heute im Bergell und verwaltet den Nachlass des Künstlers.

Ausgerechnet diesem Künstler, dem ich damals im Bergell erstmals begegnete, bzw. seinem „Geist“, der noch in Bondo spürbar ist – ist nun im Museum Franz Gertsch eine Ausstellung gewidmet. Nur einige Tage nach dem Bergsturz vom Piz Cengalo war die Vernissage in Burgdorf.

Doch überzeugen Sie sich selber, die Ausstellung wird Sie fesseln. Er schuf ein figuratives Werk, das die Fragilität des Alltäglichen in den Mittelpunkt rückt. Porträts, Landschaften, Stilleben aber auch Architekturformen und Aktbilder waren seine bevorzugten Motive. Aus seiner Biografie kann man, trotz schwierigen Zeiten als Künstler, auch eine Spur Humor und Ironie herausspüren.

Varlin über Varlin - Auszüge aus seiner Biografie

Varlin (Willy Guggenheim)

1900: Mich erblickte das Licht der Welt am 16. März 1900:

1936: Ein Atelier, im «Venedigli» , einem Abbruchobjekt ohne Treppengeländer, mit kartonverklebten Fenstern, gemietet. Mit mir hausen dort die Maler Leo Leuppi, der Däne Olsen, Gusti Vogt, der Bildhauer Louis Conne, die zu früh verstorbenen Bildhauer Hans Hippele und Meinrad Marti. Unsere stadtbekannten, an Plakatwänden angeschlagenen DI GANA DU-Bälle (soll heissen: die ganze Nacht durch). Ein einmal in Betracht kommender Käufer entfernte sich rückwärts, als er zwei für des Verwalters Hunde bestimmte Kalbsaugen vor meiner Türe fand.

1967: Ein Haus auf dem Lande. Ein Kindermädchen, natürlich ein dazugehörendes Kind, eine Waschmaschine, den Zürcher Kunstpreis, eine Geschirrspülmaschine, meine Frau im Protzelotmantel, ein Fiat, immer saubere Fingernägel und Hosenbügelfalten.Wie sagt doch meine liebe Zwillingsschwerster Erna: «Jetzt bischt ganz verspiesseret, meh chasch nümme abecho.»

Kunstwerk von Varlin

Varlin verstarb 1977 in Bondo.

Links: www.varlin.ch
Franz Gertsch Museum: www.museum-franzgertsch.ch

2. Oktober 2017 Therese Sommer

comments powered by Disqus