Vogelscheuchen gesucht!

Ich persönlich bin ein grosser Fan von Vogelscheuchen und darum freut es mich besonders, dass das Heimatmuseum in Trubschachen einen Vogelscheuchen-Wettbewerb ausschreibt. Kreative Menschen mit Wohnsitz im Emmental oder Entlebuch sind teilnahmeberechtigt. Alle anderen werden im Sommer in Trubschachen die Kreationen inmitten extra angelegter Blumen-und Getreidefelder bewundern können.

Lassen wir Hansruedi Hunziker vom Heimatmuseum in Trubschachen gleich selber zu Wort kommen. In seinem Text: „Mythos Vogelscheuche – ein verlorenes Kulturgut“, schildert der die Motivation für diesen Wettbewerb folgendermassen:

„In meinen Erinnerungen ist die Vogelscheuche noch präsent. Bei Spaziergängen mit den Eltern über Land traf man diese sonderlichen Gestalten oft an. Auch in den Schrebergärten am Stadt- oder Dorfrand wachten sie über Beeren, Früchte und die neue Saat.
Heute ist dieses uralte Kulturgut verschwunden. Die moderne grossflächige Landwirtschaft, die Rationalisierung, neuzeitliche Methoden wie Netze und Folien  haben das Volk der Vogelscheuchen beinahe zum Aussterben gebracht.

Schon vor 3000 Jahren war beim Propheten Jeremia in Kapitel 9, Vers 10 von Vogelscheuchen die Rede: „Götzen sind ja nichts als Vogelscheuchen im Gurkenfeld. Sie können nicht reden, auch muss man sie tragen, denn sie können weder helfen noch Schaden tun“. Doch die Menschen haben die Vogelscheuchen (auch die Götzen?) weiter bis in das 20.Jahrhundert oft und gerne auf ihre Felder gesetzt. Das Prinzip Hoffnung war der Grund dazu. Nicht nur Vögel und Wildtiere sollten die bizarren Gestalten fernhalten, auch gegen Erntediebe und Landstreicher hoffte man auf ihre Hilfe.
Vogelscheuchen wurden sogar auf Obstbäume montiert oder in Fischteichen eingesetzt. Oft wurde den Scheuchen in die Taschen ihrer Lumpen ein Zettel mit einem Gebet oder einer Beschwörung gelegt. Damit wollte man Blitz, Hagel, Überschwemmung und Trockenheit – alles was einer guten Ernte schadet – abwenden.

Ein ganz besonderer Brauch ist hier in der Schweiz nachgewiesen: Wenn der Bauer oder die Bäuerin sich neue Kleider anschafften, hängten sie die alten, noch brauchbaren Teile an die Vogelscheuchen. Die armen Leute wussten dies und haben einen Tausch mit ihren eigenen zerschlissenen Kleidern vorgenommen. Die Bauersleute hatten dann ein gutes Gewissen ob ihrer Wohltat und zusätzlich erhielten sie eine neue, wirkungsvoll gruselige, stinkende Vogelscheuche. Die Armen aber hatten wieder ganze und saubere Kleider und verschonten die Felder der spendablen Bauern. Allen war gedient.

Auch im Emmental waren Vogelscheuchen heimisch. Die Hügel und Täler, die grossen Wälder mit den abgelegenen Einzelhöfen boten reichen Nährboden für Fantasien über das Leben und Wirken von Geistern, Scheuchen und Menschen.
Mit unserer zweiten EMMENTALER ART lassen wir ein altes Kulturgut wieder aufleben. Wir tauchen ein in die Geschichten über einsame Bauernhöfe und verwunschene Vogelscheuchen.
Martin Ziegelmüller mit seinen Grafiken im Spycher und die faszinierenden Vogelscheuchen rund ums Museum werden zu einem besonderen Erlebnis für Jung und Alt.“

Mehr Infos finden Sie in wenigen Tagen auf der Website www.emmentaler-art.ch und bereits ab heute auf dem Portal des Landverlags: www.landtraum.ch

Im August-heft des Landmagazins „Lebenslust Emmental“ zeigen wir dann eine Bildstrecke mit den schönsten Impressionen aus dem „Vogelscheuchen-Land“!

Text und Bilder: Verena Zürcher/Fotolia

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