Von lauschigen Hütten und leidenschaftlichen Jägern

Erste Bilder von stolzen Jägern oder verblüfften Spaziergängern zeigen es auf Facebook: Im Emmental hat die Jagd auf die Gämse begonnen. Das Wildtier weist – wie das Reh auch – einen beachtlichen Bestand auf und wagt sich immer weiter in die Täler hervor. Ab dem ersten Oktober beginnt dann auch die hier noch tief verwurzelte und leidenschaftlich gepflegte Patentjagd auf Rehe.

Wandervögeln sei in dieser Zeit empfohlen, sich etwas umsichtiger in der freien Natur zu bewegen. Allerdings pflegen die Jäger die “laute Jagd”, das heisst, dass die Rehe mit Hunden gejagt werden. Wer sich im Oktober in Emmentaler Wäldern aufhält, wird also hie und da das heisere Kläffen der Jagdhunde vernehmen oder auf eine Gruppe von Jägern stossen, die sich am Lagerfeuer ihr Essen kocht. Ein Gespräch mit den Weidmännern ist meist sehr unterhaltsam, sie kennen die Gegend in der sie jagen bestens und wissen allerlei über Fauna und Flora und über besondere Jagderlebnisse zu berichten.

 
Nebst Gämsen und Rehen halten sich auch Hirsche in unseren Wäldern auf. Sie, so berichten Jäger und Bauern, wandern vom Berner Oberland her zunehmend Richtung Emmental und lassen sich hier nieder. Im obersten Emmental lassen sich zudem mit etwas Glück Steinböcke beobachten. Im Gebiet des Hohgant kommen einzelne Populationen vor. Wer sie sehen will, wählt am besten die Hohganthütte als Ausgangspunkt für seine Exkursionen. Am Übergang vom Tal der Emme ins Oberland, nördlich der Bröndlisfluh, liegt die Hütte des SAC Emmental im Naturschutzgebiet Hohgant-Seefeld. Sie wurde 1948 als Stützpunkt für die Aufseher des damals neu geschaffenen Naturschutzgebietes erbaut. Seit Beginn der Siebzigerjahre gibt es einen Anbau mit zusätzlichem Aufenthalts- und Schlafraum. Die Hohganthütte ist die ideale Bleibe für Natur-und Wanderfreunde.

Der SAC Emmental betreibt aber auch an der Schrattenfluh eine kleine Hütte. Die Heftihütte. Sie wurde während des Aktivdienstes 1939-1945 als Unterkunft für die dort oben stationierten Truppenteile erbaut und später von Privatpersonen übernommen und in eine kleine hübsche Berghütte umgewandelt. Die Schrattenfluh wartet ebenfalls mit spannenden Tieren und Pflanzen auf. Es sind nicht gerade Steinböcke, die man hier beobachten kann, dafür kleine Lebewesen wie etwa der rabenschwarze Alpensalamander, die “Rägemole”, wie wir Emmentaler sagen.

Übrigens: Im Emmental wird im Herbst eifrig gejagt. Entsprechend gross ist das Angebot an Gasthäusern, welche die besten Wildgerichte zubereiten. Einzelne Wirte kochen das Wild nicht nur selber, sie jagen und metzgen es auch. Da ist der Genuss garantiert!

Text: Verena Zürcher, Autorin und Verlegerin, Bild: Lebenslust Emmental/Christoph Lauener und Toni Zulauf
http://www.landverlag.ch

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