Weidegänse auf Brandishub

Der Bauer Markus Schlunegger wohnt und arbeitet auf seinem Hof auf Brandishub (Gemeinde Lützelflüh). Der 24-Jährige experimentiert gerne mit neuen Produkten und Ideen. So hält er seit drei Jahren Weidegänse, die er jeweils vor Weihnachten schlachten lässt und verkauft. Zurzeit weiden 22 Gänse auf seinem Land.

Der 24-jährige Markus Schlunegger in seiner
Der 24-jährige Markus Schlunegger in seiner "Hostet" mit den Weidegänsen im Hintergrund.

Markus «Küsu» Schlunegger hat 2011 den Bauernhof von seinen Eltern übernommen und ist immer interessiert an neuen Produkten und Tieren, die er anbauen bzw. züchten könnte. Vor drei Jahren stiess er im Internet auf das Thema Weidegänse und war sofort Feuer und Flamme, selbst auch Weidegänse zu halten. Er nahm Kontakt mit dem damals neu gegründeten Verein www.weidegans.ch auf, wurde Mitglied und kaufte 50 Gänseküken. Mittlerweile weidet bereits die 3. Generation von Weidegänsen in der «Hostet» neben dem schönen Bauernhof auf Brandishub. «Ich arbeite gerne mit den Weidegänsen. Sie sind robust, scheuen kein schlechtes Wetter und mittlerweile weiss ich, wie ich ihnen ideale Bedingungen bieten kann. Es ist ein gutes Standbein für mich», sagt Schlunegger, der daneben als Allrounder für zwei Lohnunternehmer arbeitet. Die 22 Gänse haben ein schönes Leben: In einer grosszügigen Hostet mit Apfelbäumen können sie nach Lust und Laune umherstreifen und sich ihr Futter selbst aussuchen.

Schluneggers Gänse gehören zur Rasse der Diepholzer Gans, die aus Norddeutschland stammt, als robust gilt und sich auch für steileres Gelände eignet. Etwas «schnäderfrässig» seien die Gänse, erzählt Schlunegger, den Spitzwegerich mögen sie beispielsweise gar nicht. Aus diesem Grund müssen die Vögel ab und zu umziehen. Auch ein elektrischer Zaun ist von Vorteil. «Sonst schlüpfen die Tiere auf der Suche nach neuen Leckerbissen einfach durch den Zaun», erklärt der Gänsebauer. Am Abend treibt er die Gänse jeweils in den Stall. Der Fuchs hat sich zwar noch kein Tier geholt, aber er will auf Nummer sicher gehen. Da er den Gänsen am Abend noch ein wenig Futter anbietet, lassen sich die Vögel meistens problemlos in ihr Abendquartier bringen. «50 Gänse kann man auf jeden Fall viel einfacher von der Weide treiben als drei Kälber», meint Schlunegger und grinst. Obwohl im Emmental nicht so viele Weidegänse gehalten werden, gibt es einige Kollegen, so zum Beispiel im Eggiwil, in Oberburg und in Langnau.

 

Auch ein schönes Leben geht mal zu Ende

Markus Schlunegger kauft die Gänseküken jeweils im Mai, im Alter von 10 Tagen. Dann dürfen sie sechs bis sieben Monate auf der Weide verbringen und den Auslauf geniessen. Während dieser Zeit nimmt Schlunegger jeweils bereits Bestellungen auf. Im Dezember werden die Gänse, die dann rund vier Kilo wiegen, geschlachtet und meist direkt ab Hof verkauft. Der Jungbauer veranstaltet dazu jeweils einen Verkaufstag mit Käse, Fleisch, Glühwein und Bier und kann so einen direkten Kontakt mit seinen Kunden pflegen. Schlunegger tauscht sich gerne mit seinen Kunden aus und legt Wert darauf, dass diese wissen, wer hinter der Weihnachtsgans und anderen Produkten steht. Um sein Wissen noch weiter auszubauen, will Markus Schlunegger in Kürze die Betriebsleiter-Schule absolvieren. Auch deshalb hat er einen Grossteil seines Landes verpachtet, um sich ganz auf die Weidegänse, die Lohnarbeit und seine Weiterbildung zu konzentrieren. «In ein paar Jahren möchte ich aber meinen Hof wieder selbst bewirtschaften und zum Beispiel Weide-Beef produzieren. Urdinkel habe ich auch schon angebaut, das würde mich nach wie vor reizen», meint Schlunegger. Und ganz sicher wird er auch dann wieder einige neue Ideen verfolgen und umsetzen.

http://www.mein-emmental.ch/weidegans/

Text und Fotos: Christian Bärtschi

Die robusten Gänse sind allwettertauglich und werden circa vier Kilo schwer.
Die robusten Gänse sind allwettertauglich und werden circa vier Kilo schwer.

Die 22 Weidegänse können in der grosszügigen
Die 22 Weidegänse können in der grosszügigen "Hostet" frei umherstreifen und weiden.

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