Zu Besuch beim Herz-Schmied

Im Alltag ist Peter Röthlisberger aus dem Trub Lastwagen-Chauffeur. In seiner Freizeit jedoch besucht er als «Herz-Schmied» Hochzeiten und sorgt dafür, dass die Ehepaare, die unter seiner kundigen Anleitung ihre Namen zusammenschmieden, noch etwas enger zusammenrücken. Ein Besuch in der Schmiede.

Anzeizen der Esse
Vorsichtig wird die mit Steinkohle gefüllte Esse angeheizt.

Peter Röthlisberger hat die Esse schon eingeheizt. Der Lüfter läuft, die Glut leuchtet gelb-orange. Alles ist bereit zum Schmieden. Doch was wird hier überhaupt geschmiedet? «Ich schmiede, gemeinsam mit meinen Kunden, Herzen mit einem Ring zusammen», erklärt der in Signau aufgewachsene Mann. Konkret heisst das, dass er für Hochzeiten zwei Herzen aus Rundeisen mit 10 Millimeter Durchmesser zurechtbiegt und sie mit den Namen der Brautleute verziert. Vor Ort heizt er dann seine portable Esse aus Militärbeständen an und lässt das Brautpaar mit einem Eisenring, den dieses selbst in Form schmiedet, die zwei Herzen zusammenfügen. Ein schöner symbolischer Akt, der bei Hochzeitsgesellschaften immer gut ankomme, ergänzt er. Die Idee für dieses Event-Schmieden trug der gelernte Schmied bereits einige Jahre mit sich rum, bevor er sie nun realisieren konnte. «Als wir 2005 ins Trub umzogen, konnte ich diese ehemalige Schmiede im Parterre übernehmen und nach meinen Wünschen einrichten. Erst damit hatte ich genügend Platz und die nötige Einrichtung beisammen, um meine Idee in die Tat umzusetzen», erinnert er sich. Und so ist er pro Jahr an 10 bis 15 Hochzeiten vertreten und schmiedet das noch junge Eheglück zusammen. Die Herzen und die für die Namen benötigten Buchstaben bereitet Röthlisberger jeweils zuhause vor. Für diese Arbeit benötigt er zwei bis drei Abende. Am Anlass wird dann noch der Ring geschmiedet, welcher die zwei Herzen zusammenhält. Manchmal wirkt der Schmied an Fest-Anlässen auch als Unterhalter: Unter seiner Anleitung kann jedes Mitglied der Festgemeinde zum Beispiel einen praktischen Flaschenöffner schmieden.

Das Eisen kunstvoll formen

Genau einen solchen Flaschenöffner schmiedet Peter Röthlisberger nun. Dafür legt er einen runden Eisenstab in die heisse Glut und wartet, bis dieser orange-rot zu glühen beginnt. Das Eisen muss zwischen 800 bis 1300 Grad heiss sein, damit es geschmiedet werden kann. Geschickt packt er das Eisenstück mit einer Zange, legt es auf den Amboss und schlägt mit dem Hammer rhythmisch auf das Werkstück. «Zuerst haue ich die Spitze platt. Diese wird später gekrümmt, damit man zum Beispiel eine Bierflasche öffnen kann», erklärt er. Sprichts und schon wird die Spitze des Rundeisens immer flacher und dünner. Erneut muss das Eisen in die heisse Glut, die aus Steinkohle entsteht. Dann geht der Tanz auf dem Amboss weiter: Nun krümmt Röthlisberger mit feinen, präzise gesetzten Hammerschlägen die Spitze des künftigen Flaschenöffners. Zum Abkühlen taucht er das Werkstück mit einer Zange in den Löschtrog mit Wasser. Es zischt und dampft. Der Flaschenöffner ist bereits gut erkennbar. Doch zur Vollendung fehlt noch einiges: Ein Flaschenöffner soll ja auch der Hand schmeicheln. Darum wird nun das hintere Ende abgeflacht und mit einer leichten Krümmung versehen. Für den gelernten Schmied ist das bloss eine Fingerübung. Der Selbstversuch zeigt aber, dass ein guter Schmied nicht nur Kraft und Präzision benötigt, sondern auch sehr viel Gefühl. Oder eben – viel Herz.

http://www.herz-schmied.com

Text und Fotos: Christian Bärtschi

Peter Röthlisberger in seiner Schmiede.
Peter Röthlisberger in seiner Schmiede.
Geschmiedete Herzen
Der Herz-Schmied fügt zwei Herzen zusammen. Auch Nachwuchs wird in Eisen verewigt.
Eisenstab in der Glut
Das Eisen muss zwischen 800 bis 1300 Grad heiss sein, damit es geschmiedet werden kann.
Hammer und Amboss
Mit regelmässigen, kräftigen Schlägen bringt der Schmied das Eisen in die gewünschte Form.
Krümmung Flaschenöffner wird geschmiedet
Hier entsteht die Krümmung für einen Flaschenöffner.
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