Zürcher Zünftler schmausen im Emmentaler Gewölbe

Übermorgen Samstag reisen die Vorstände der Zürcher Zünfte ins Emmental. Rund 50 Personen werden es sein, die Zürich für einen Tag verlassen und gemeinsam einen Ausflug ins Bernbiet machen werden. Das ist an und für sich nicht der Rede wert. Den Ort, den sich die Zünftler heuer aber ausgesucht haben, um Apéro und Mittagessen einzunehmen, ist eine Sehenswürdigkeit, die kaum bekannt ist. Ein Bauwerk, das in den letzten 20 Jahren erstellt worden ist: Das Gewölbe auf dem Berghof Stärenegg bei Trubschachen.

Gewölbe? Manch einer wird denken, ach, schon wieder ein netter Gewölbekeller, in dem der Weisswein schön kühl bleibt. Aber das, was Michel Seiler, Heimleiter und Stiftungspräsident der Stärenegg da ausgedacht und realisiert hat, lässt den Atem doch ein wenig stocken: Mit einem Durchmesser von über neun Metern und einer fast identischen Höhe besticht der in die Nagelfluh gebaute Raum alleine mit seiner Grösse. Das Sandsteinflies, welches die Tierkreiszeichen, die vier Charaktere, Werden und Vergehen und die Himmelsrichtungen zeigt, mutet eigenartig – und auch ein wenig „gfürchig“ an. Hier hätten sich gut ein paar Szenen für den „Da Vinci Code“ drehen lassen. Keltische Elemente geben dem Bauwerk zusätzlich einen mystischen Charakter. Und die nach Süden ausgerichtete Pforte, durch welche nur zur Wintersonnenwende das Licht in die Mitte einfällt, ist ebenso bemerkenswert wie die Akustik des Raums.


Seit über 40 Jahren amtet Michel Seiler, vom „Schlössli“ in Ins stammend, auf dem Berghof, führt da die flächenmässig grösste Heimschule. Auf 1.2 Quadratkilometern erstreckt sich das Areal. Und genau hier hat sich Seiler, erster „Grüner“ Gemeindepräsident des Emmentals und Nationalratskandidat, seinen Lebenstraum erfüllt: Ein Gewölbe! Vordergründig geschützt durch eine geräumige Schmiede ahnt kein Mensch, was sich hinter dem schlichten Vorhang tief drinnen im Fels verbirgt. Der Raum wird primär für interne Anlässe genutzt. Und ab und zu verirren sich Besucher wie die Zürcher Zünftler auf die Stärenegg.

Übrigens: Das Gewölbe kann besichtig werden.

Michel Seiler mag es aber am liebsten, wenn seine Gäste sich anmelden und zu Fuss kommen. Die Wanderung ab Trubschachen (ab Bahnhof vorbei an der Kambly SA, dann rechts bergauf),  dauert eine knappe Stunde und ist trotz des relativ happigen Aufstiegs sehr empfehlenswert.

Text: Verena Zürcher, Autorin und Verlegerin, Bilder: zvg
www.landverlag.ch
www.lebenslust-emmental.ch

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