Die Aare entspringt den Aaregletschern, die Reuss dem Gotthardmassiv. Als Quelle des Rheins gilt der bündnerische Tomasee. Und die Emme? Jener Fluss, der unserem Tal den Namen gibt? Das ist, wie so vieles im Emmental, irgendwie mysteriös und nebulös. Weder Gletscher noch See bilden hier den Ursprung. Irgendwo im kalkigen Gebiet zwischen Hohgant und Augstmatthorn, dort wo die Wiesen besonders feucht sind, dort drückt aus unzähligen sumpfigen Löchern Wasser hervor, vereint sich zu kleinen Rinnsalen. Und plötzlich ist es da, das kleine Bächlein, das schon den Namen Emme trägt.
(weiterlesen …)
Ich wohne seit einer Weile in einem alten Taglöhnerhaus, das an der Herzroute liegt. Vor dem Haus steht ein mächtiger Brunnen. Täglich stoppen Flyerfaher und erlaben sich dort. Und immer wieder höre ich dasselbe Loblied: „Es gibt nichts Feineres als frisches Quellwasser!“ Wie recht die Touristen doch haben! Das Emmental, insbesondere die Gemeinden rund um den Napf, sind mit dem kostbaren Nass gesegnet. Wo so viele Holzbrücken sind, muss es ja auch viel Wasser geben. Und in der Tat, neben den Hauptflüssen Emme und Ilfis plätschern im Emmental Dutzende Bäche und sprudeln unzählige Quellen.
Das Napfbergland verfügt wie kaum eine andere Region in der Schweiz über ein sehr dichtes Quell- und Grundwassernetz. Denn hier gehen oft Gewitter nieder. Zudem ist die Landschaft am Napf geprägt vom Molassemeer, welches bis ins Wienerbecken reichte, und von den Eiszeitgletschern, aus denen der gut 1’400 Meter hohe Napfgipfel immer hervorlugte. Die Gletscher waren es, die in der Molassenagelfluh riesige Tröge schufen, in denen das Grundwasser gespeichert ist. Die stark bewaldeten Krächen und Höger, die schroffen Nagelfluhfelsen und die weitgehend unberührten Bergweiden sind Horte grosser Wassermassen, die den schädlichen Einflüssen unserer Umwelt nur bedingt ausgesetzt sind. (weiterlesen …)