Querdenken im Zentrum Schlossmatt Region Burgdorf

Zwischen der Anlieferung und dem Kita-Gebäude führt ein kleiner Tunnel von der Bushaltestelle in den Innengarten und dann in das Entrée des Alters- und Pflegezentrums. Am Selbstbedienungsbuffet steht ein etwa 40-jähriger Mann und wischt einige Tropfen Salatsauce vom Buffetrand. Seine grünbraunen Augen wirken vertrauenerweckend, aber doch auch ein bisschen fordernd. Er beugt sich zu einem älteren Mann im Rollstuhl hin. Sie unterhalten sich. Dabei ist der gegenseitige Respekt zwischen den beiden Männern zu spüren. Reto Zuberbühler, der Leiter Gastronomie, arbeitet seit mehr als drei Jahren im Zentrum Schlossmatt. Vieles hat sich in dieser Zeit verändert. Mit Querdenken wurden die Organisation in der Gastronomie und deren Prozesse vereinfacht. Die Raumnutzungen wurden geklärt und die Hygienevorschriften umgesetzt.

Eingang zum Zentrum Schlossmatt

Das Restaurant steht für alle offen

Gastfreundschaft wird im Zentrum Schlossmatt grossgeschrieben. Das neu umgebaute Restaurant bietet täglich «Gluschtiges» zu fairen Preisen. Der Butterzopf (Freitag bis Sonntag) ist legendär und gehört regelmässig auf den sonntäglichen Frühstückstisch von vielen Burgdorfer Familien. Weitere Highlights sind vegetarische Gerichte, allergiegerechte Speisen, das reichhaltige Salatbuffet und die hausgemachte Patisserie. Selbstverständlich gibt’s auch alles zum Mitnehmen. Das Zentrum Schlossmatt produziert täglich rund 700 Mahlzeiten. Dabei ist der jüngste Gast knapp ein Jahr (Kita) und der älteste Bewohner mehr als 100 Jahre alt.

Restaurant

Der Bewohner weiss Bescheid

Die Zufriedenheit der Bewohner ist zu einem Teil durch die Qualität des Essens definiert. Gerichte aus alter Zeit sind herzlich willkommen. Authentisch sind sie trotz der modernen Kochtechniken. «Wir haben eine Menügruppe mit ausgewählten Bewohnern einberufen. Dies erleichtert uns die Menügestaltung. An der Gruppenbesprechung erhalten wir aber noch weitere Informationen. Zum Beispiel wie die Gerichte früher hergestellt oder welche alten Lebensmittelarten verwendet wurden. Es kommt vor, dass wir Rezepte handgeschrieben in alter Schrift von den Bewohnern erhalten. Aber auch mündlich überlieferte Rezepte finden Zugang in unsere Rezeptdatenbank. Die Umsetzung dieser Gerichte schätzen unsere Bewohner besonders. Bei dieser Gelegenheit zeigen wir, welche Lieferanten wir berücksichtigen. Da etliche Bewohner aus der Region sind, schafft dies viel Sympathie», hält Reto Zuberbühler fest.

Aussicht auf das Schloss Burgdorf

Wir bieten keine halben Würste an

Die Bewohner aus den Kriegsjahren mit den Jahrgängen 1910 bis 1940 haben gelernt, auszuessen und sorgsam mit den Lebensmitteln umzugehen. Mit dem Alter schwindet auch der Appetit. Eine 120 Gramm schwere Bratwurst mit Rösti schätzen viele, doch die halbe Wurst bleibt oft auf dem Teller zurück und das schlechte Gewissen nagt an den sparsamen Essern. «Wieso müssen Würste eigentlich immer so gross sein? Das fragte ich unseren Metzger. Jetzt bieten wir ganze Würste an, die eigentlich nur halbe sind. Der Dorfmetzger bereitet uns 60-Gramm-Würste zu. Im öffentlichen Restaurant kann der Bauarbeiter zwei, drei Würste essen. Unsere Bewohner essen eine, sind gesättigt und stolz, dass sie den Teller leer gegessen haben. Neue Ideen sind nur so gut, wie das Team diese auch umsetzt. Aber grundsätzlich braucht es einen Input, um Probleme aufzuzeigen und Lösungen anzustossen », hält Reto Zuberbühler fest.

Zopfangebot im Zentrum Schlossmatt Burgdorf

Jedem seinen Zopf

Das öffentliche Restaurant bietet seit geraumer Zeit verschiedene Gerichte und Produkte über die Gasse an. Täglich wurden Brote, Milchprodukte oder Salate angeboten. Mit mässigem Erfolg. «Das feine knusprige Brot wurde einmal verkauft, das andere Mal nicht und so mussten etliche Lebensmittel entsorgt werden. Wir reduzierten den Verkauf über die Gasse. Letztendlich blieben nur wenige Produkte übrig, aber diese mit Erfolg. Von Freitag bis Sonntag bietet unsere Bäckerei Butterzöpfe in den Grössen 300, 500, 700 Gramm und ein Kilo an. Von den fünf Tonnen Mehl, die wir im Jahr brauchen, entfallen rund 2.5 Tonnen auf die Zopfzubereitung. Selbstverständlich servieren wir unseren Bewohnern den Butterzopf auch jeden Sonntag», erklärt Reto Zuberbühler.

Text und Bilder: Zentrum Schlossmatt Region Burgdorf

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